Wiederherstellung des Jungfernhäutchens

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Was ist das Jungfernhäutchen?

Das Jungfernhäutchen (Hymen) ist eine dünne Membran, die die Vaginalöffnung der Frau teilweise überdeckt. Es ist nach dem griechischen Gott der Hochzeit, Hymenaeus, benannt. Dabei existieren von Frau zu Frau verschiedene Formen des Jungfernhäutchens:

  • Anular : Der Hymen bildet einen Ring um die Vaginalöffnung

  • Septal: Der Hymen bildet ein oder mehrere Gewebsbänder über die Vaginalöffnung

  • Cribiform: Der Hymen erstreckt sich über die gesamte Vaginalöffnung, weist aber viele kleine Löcher auf

Nur in seltenen Fällen ist die Vaginalöffnung vollständig vom Jungfernhäutchen verschlossen. Dies wird als Hymenalatresie bezeichnet wird. Das Menstruationsblut kann dann bei der Regelblutung nicht abfließen, sodass ein chirurgischer Eingriff notwendig ist, um eine Scheidenöffnung zu bilden.

Im Allgemeinen reißt das Hymen jedoch beim ersten Geschlechtsverkehr (Defloration). Daher wird ein unbeschädigtes Jungfernhäutchen in verschiedenen Kulturen als Beleg für Keuschheit und Reinheit vor der Ehe gewertet. Als Nachweis der Jungfräulichkeit gilt deshalb das Blut des zerrissenen Hymens auf dem Bettlaken der Hochzeitsnacht. Bei etwa 50 Prozent der Frauen reißt das Jungfernhäutchen jedoch schon vor dem ersten Geschlechtsverkehr durch körperliche Betätigung oder Stürze ein, sodass es zu keiner Blutung mehr kommt. Es gibt auch Frauen, die bereits ohne Jungfernhäutchen geboren werden.

Wann wird eine Wiederherstellung des Jungfernhäutchens durchgeführt?

Seit einiger Zeit häufen sich bei Beratungsstellen die Anfragen junger Frauen mit
Migrationshintergrund nach einer Wiederherstellung ihres Jungfernhäutchens. Durch die
Rekonstruktion wollen die jungen Frauen sicherstellen, dass sie in der Hochzeitsnacht
bluten und ihre Jungfräulichkeit so bewiesen ist. In muslimischen Kulturen gilt ein unversehrtes Jungfernhäutchen somit als notwendiger Beweis der Keuschheit. Für Musliminnen, die bereits vor der Ehe Verkehr hatten und deshalb massive Bestrafungen seitens ihrer Familie fürchten müssen, besteht die Möglichkeit, das Jungfernhäutchen wiederherzustellen ("Revirginisierung", Hymenoplastik).

In den letzten Jahren wird die Wiederherstellung des Jungfernhäutchens jedoch gerade in den Industrieländern auch immer mehr zu einer Art Modetrend. Frauen möchten ihrem Ehemann oder Partner mit einer Hymenoplastik eine Freude bereiten und ihm eine Art von „zweiten Flitterwochen" bescheren.

Eine Rekonstruktion des Hymens berührt somit sowohl medizinische, als auch ethische und kulturelle Aspekte. Es existieren bisher jedoch keine wissenschaftlichen Daten oder Richtlinien zur Durchführung einer Hymenoplastik. Die Wiederherstellung des Jungfernhäutchens wird deshalb international kontrovers Diskutiert. Zur Klärung grundlegender Verständnisfragen baut das Institut für Biomedizinische Ethik der Universität Zürich derzeit eine Forschungskooperation zu den medizinethischen Fragen der Hymenoplastik auf. Hier in Deutschland helfen jedoch einige Ärzte den jungen Musliminnen, indem sie eine plastische Wiederherstellung (Revirginisierung, Hymenrekonstruktion) des Jungfernhäutchens anbieten.

Letzte Aktualisierung am 29.07.2015.
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