Folsäure verhindert Fehlbildung des Embryos

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Folsäure in einem frühen Stadium der Schwangerschaft verringert das Risiko, ein Kind mit Spina bifida zur Welt zu bringen.

Spina bifida ist eine Neuralrohrfehlbildung im Embryonalstadium. Aus dem Neuralrohr entwickelt sich das Rückenmark und das Gehirn des Kindes. In Deutschland werden jedes Jahr etwa 800 Kinder mit dieser Rückenmarksschädigung geboren.

Folsäure verhindert Fehlbildung des Embryos
Folsäure verhindert Fehlbildung des Embryos

Spina bifida occulta, die nichtsichtbare Ausprägung dieser Fehlbildung, beeinträchtigt die Lebensqualität des Kindes nicht und wird häufig nur durch Zufall festgestellt. Anders die Spina bifida aperta: je nach Schweregrad kann sie kaum merkliche bis schwere Verläufe nehmen, die bis zur Querschnittslähmung führen können. Auch die Kontrolle über Blase und Darm kann eingeschränkt sein.

Bereits vor mehr als fünfzig Jahren hat man Neuralrohrdefekte mit der Ernährung der Mutter in Verbindung gebracht. Es gab erste Hinweise darauf, dass Frauen, die sich schlecht ernährten, ein erhöhtes Risiko hatten, Babys mit Spina bifida zur Welt zu bringen. Gleichzeitig beobachtete man, dass sich die Fälle im Winter häuften, möglicherweise deshalb, weil dann weniger frisches Obst und Gemüse zur Verfügung stand.

Entscheidend für Spina bifida occulta ist das Frühstadium der Schwangerschaft, nämlich der 22. bis 28. Tag der Embryonalentwicklung. Die Einnahme von Folsäure in dieser Zeit reduziert das Risiko für die Entstehung von Spina bifida. Die Folsäure-Medikation sollte möglichst früh beginnen. Für Frauen, die schwanger werden möchten, empfiehlt sich eine Einnahme bereits vor der Empfängnis.

In den USA, in Kanada und auch in Ungarn wird dem Mehl Folsäure beigemengt, sodass alle Getreideprodukte automatisch mit Folsäure angereichert werden. Dies ist sogar gesetzlich vorgeschrieben. Seitdem hat sich dort die Zahl der Neuralrohrdefekte halbiert. In Deutschland gibt es keine Beimengungspflicht. Die Versorgung mit Folsäure bleibt jedem selbst überlassen.

Vor allem frisches Obst und Gemüse sind gute Folsäurelieferanten, aber auch Vollkornbrot, Fleisch und Fisch enthalten geringe Mengen. Außerdem gibt eine Reihe von Produkten, wie Müsliregel oder Milchprodukte, die mit einer Extra-Portion Folsäure angereichert (und auch dementsprechend gekennzeichnet) sind. Der Großteil der Menschen ist unterversorgt mit Folsäure. Rund 400 Mikrogramm täglich werden von der deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlen. Zwei Drittel der Erwachsenen nehmen täglich weniger als 300 Mikrogramm zu sich. Frauen mit Kinderwunsch wird eine Menge von 600 Mikrogramm täglich empfohlen.

U. Kohaupt Ursula Kohaupt
Gesundheitsredakteurin

aktualisiert am 29.07.2015
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