Schwangerschaftsabbruch - Spätabbruch und Hysterotomie

Lesezeit: 1 Min.

Was ist ein Spätabbruch?

Als Spätabbruch bezeichnet man Abbrüche nach der 14. Schwangerschaftswoche. In Deutschland und in den meisten anderen Ländern ist ein Spätabbruch nur erlaubt, wenn eine medizinische Indikation vorliegt, dass heißt eine Gefährdung der körperlichen oder psychischen Gesundheit der Frau (mütterliche Indikation) besteht.

Besteht hingegen eine embryopathische Indikation, also eine schwerwiegende Fehlbildung oder Behinderung des Fötus oder wenn das Kind nach einer Geburt nicht lebensfähig wäre, so ist ein Spätabbruch gemäß § 218 a StGB (Strafgesetzbuch) nicht zulässig.

Wird jedoch vom Gericht festgestellt, dass sich die Schwangere zur Zeit eines solchen rechtswidrigen Eingriffs in besonderer Bedrängnis befunden hat, so kann es von einer Strafe absehen. In Deutschland wurde die embryopathische Indikation abgeschafft, ist jedoch noch in anderen Ländern in Kraft. Offiziell erfolgt nun in Deutschland ein Spätabbruch aufgrund schwerer Fehlbildungen wegen Gefährdung der psychischen Gesundheit der Frau.

In Deutschland werden Spätabbrüche meist aufgrund einer schweren Behinderung des Fötus durchgeführt, seltener wegen einer unmittelbaren Gefährdung der Schwangeren. Jährlich werden in Deutschland ca. 2200 Spätabbrüche durchgeführt und machen etwa 1,9 Prozent aller Abbrüche aus.

Bei Spätabbrüchen gilt die Kombination von Mifegyne gefolgt von einem Prostaglandin als Standardmethode, da sie risikoarm ist und weniger Schmerzen erzeugt als andere früher gebräuchliche Methoden. Dadurch wird eine künstliche Fehlgeburt bzw. Totgeburt ausgelöst.
Wegen möglicher Komplikationen sollte ein Abbruch nach der 12. Woche nur in Krankenhäusern durchgeführt werden.

Bei Spätabbrüchen, die nach der 22. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden, kann es vorkommen, dass die Föten meist mit schweren oder sehr schweren Behinderungen überleben. Das in Deutschland bekannteste Beispiel ist der als Oldenburger Baby bekannt gewordene Junge Tim.

Oft werden daher bei möglicherweise gegebener Lebensfähigkeit des Fötus, diesem Kaliumchlorid injiziert, welches einen Herzstillstand auslöst, oder die Blutzufuhr der Nabelschnur unterbunden, um Lebendgeburten zu verhindern. Nach dem Gesetz ist jeder Arzt verpflichtet, lebensverlängernde Intensivmaßnahmen nach der Geburt sofort einzuleiten, unabhängig vom Hintergrund der konkreten Situation.

Hysterotomie

Eine veraltete und nur noch selten angewandte Methode des Abbruchs von fortgeschrittenen Schwangerschaften ist die Hysterotomie, auch Sectio parva (kleiner Kaiserschnitt) oder Uterotomie genannt. Die Gebärmutterhöhle wird bei diesem Vefahren operativ geöffnet und der tote Fötus sowie die Plazenta entnommen.
Natürlich kann die Frau nach diesem Abbruch wieder schwanger werden. In der Regel ist jedoch bei der folgenden Geburt ein Kaiserschnitt erforderlich.
Letzte Aktualisierung am 29.07.2015.
War dieser Artikel hilfreich?