Eine Frühgeburt kann sich durch verschiedene Warnsignale ankündigen, wie beispielsweise ein vorzeitiges Platzen der Fruchtblase oder vorzeitige Wehen. Sie kann jedoch auch Krankheitsbedingt auftreten, wobei die Auslöser der Erkrankung sowohl im mütterlichen Organismus als auch beim ungeborenen Kind liegen können. Bei einer drohenden Frühgeburt werden im Normalfall zunächst so genannte Wehenhemmer (Tokolytika) und Magnesium gegeben, die die Wehen vorübergehend unterdrücken.
Diese behandeln zwar nicht die Ursache der vorzeitigen Wehen, können jedoch den Zeitraum in dem das Kind im Mutterleib bleibt, verlängern. Diese zeit benötigen die behandelnden Ärzte für Maßnahmen, die zur Unterstützung der Lungenreifung des Kindes vorgenommen werden. Durch Gaben von Glucocorticoiden (Cortison, Betamethason) an die Mutter wird die Bildung des Surfactants in den Lungen des Kindes angeregt.
Bei einer bestehenden Infektionskrankheit der Mutter muss diese gegebenenfalls mit Antibiotika behandelt werden.
In vielen Industrieländern wird die Behandlung von kritischen Frühgeburten vor der 26. Schwangerschaftswoche nur in speziellen Zentren, so genannten Perinatalzentren, durchgeführt. Es konnte wissenschaftlich belegt werden, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen der Anzahl von Risikogeburten vor der 26. Schwangerschaftswoche in einer Klinik und den Behandlungserfolgen gibt: Je erfahrener die Ärzte und je höher die Zahl der Fälle, desto größer ist die Chance auf ein Überleben des Kindes ohne Spätfolgen.
Frühgeburten vor der 32. Schwangerschaftswoche werden in der Regel per Kaiserschnitt entbunden, weil der Eingriff schonender für das Kind ist und weniger Stress bedeutet.
Frühgeburten vor Beendigung der 22. Schwangerschaftswoche sind hingegen in der Regel nicht lebensfähig. Die behandelnden Ärzte sind dazu angehalten, diese Kinder entsprechend ihrer Würde im Sterben zu betreuen und die Eltern bei der Sterbebegleitung und der Bestattung ihres Kindes zu unterstützen.
Wie ist die Prognose von Frühgeburten?
Heute gilt, dass mindestens die 23. Schwangerschaftswoche vollendet sein muss, um das Überleben eines frühgeborenen Kindes mit medizinischer Hilfe möglich zu machen. Die Mortalität (Sterblichkeit) und Morbidität (Erkrankungsgrad) des Kindes sind jedoch bei sehr unreifen Frühgeborenen besonders hoch und hängen stark von der Erfahrung des behandelnden Ärzteteams ab.
Die Überlebenswahrscheinlichkeit des Kindes liegt ab der vollendeten 24. Schwangerschaftswoche in Deutschland zur Zeit bei etwa bei 60 Prozent und steigt mit zunehmender Reife. Vor allem die Reife der Lungen ist für das Überleben entscheidend. Sehr kleine Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht von weniger als 500 Gramm haben unabhängig von der Reife eine schlechte Überlebenschance. Sie liegt in Deutschland heute bei etwa 20 bis 30 Prozent.
Letzte Aktualisierung am 10.08.2009.