Die Frühchen können aufgrund der Unterentwicklung zum Zeitpunkt ihrer Geburt verschiedene, zum Teil lebensbedrohliche, Erkrankungen entwickeln.
Die unreifen Organe können verschiedene Probleme des Kindes verursachen:
- Besonders bedeutend und entscheidend für das Überleben ist das Ausmaß der Lungenreife. Ist diese unzureichend entsteht das so genannte Atemnotsyndrom (IRDS= infant respiratory dustress syndrom, Surfactantmangel-Syndrom). Die unreife Lunge produziert bei einem IRDS nur in geringem Maße das so genannte Surfactant. Surfactant ist ein Gemisch aus Phospholipiden und Proteinen, das durch die Reduktion der Oberflächenspannung in den Lungenbläschen für die Entfaltung der Lungen notwendig ist. Aufgrund des Mangels an Surfactant beim Frühchen kollabieren Lungenbläschen, die dann am Gasaustausch von Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid nicht teilnehmen können.
Sauerstoffmangel und Atemnot des Kindes sind die Folgen des Surfactantmangels. Zur Behandlung wird das Frühgeborene intubiert und vorübergehend künstlich beatmet. Über den Beatmungsschlauch kann zusätzlich Surfactant in die Lunge eingebracht werden. Zur Vorbeugung kann der Mutter vor der Geburt Kortison gegeben werden, das die Lungenreife fördern.
- Nierenunterfuntion - Die unreife Niere produziert noch keinen Urin. Deshalb sammeln sich im Blut des Kindes Substanzen an, die unter Normalbedingungen durch den Urin ausgeschieden würden. Dabei ist das Kalium von besonderer Bedeutung, da ein erhöhter Kaliumwert im Blut (Hyperkaliämie) zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen führen kann.
- Hirnblutungen- Zur so genannten intrazerebralen Blutung kommt es bei Frühgeborenen besonders unter einem Reifealter von 32 Schwangerschaftswochen. Mit zunehmender Unreife steigt das Risiko für Hirnblutungen immer mehr an. Das Risiko für eine höhergradige Blutung im Gehirn beträgt in Deutschland etwa 5-6 Prozent für Kinder, die vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren werden und etwa 25 Prozent für Kinder, die vor der 26. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen. Eine Ansammlung von kleinen Gefäßen (germinale Matrix), welche sich unterhalb der beiden Seitenventrikel (inneren Hirnwasserräumen) befindet, ist bei Frühgeborenen besonders kritisch.
Diese können leicht einreißen, wodurch es zu einer Blutung im Gehirn kommt. Leichte Blutungen haben eine günstige Prognose, während große Hirnblutungen des Kindes zu schweren und bleibenden Nervenschäden und einer körperlichen Behinderung führen kann. Im akuten Blutungsfall kann es außerdem zu einem Schock durch den Blutverlust kommen, im weiteren Verlauf kann das Blut den Abfluss des Hirnwassers behindern. Ein so genannter Hydrocephalus ist die Folge.
- Nekrotisierende Enterolkolitis- Die Darmbewegungen (Peristaltik) sind beim Frühgeborenen noch nicht regelrecht. Es kann deshalb zum Aufstau des Darminhaltes kommen. In diesem Milieu wachsen Bakterien, die eine Ursache für die Darmentzündung, die nekrotisierende Enterokolitis (NEC) sein können. Im Röntgenbild können dann Luftbläschen in der Darmwand gesehen werden (Pneumatosis intestinalis).
- Persistierender Ductus arteriosus- Das Offenbleiben des so genannten Ductus arteriosus nach der Geburt (Persistierender Ductus arteriosus, PDA) führt zu Störungen des kindlichen Blutkreislaufes. Der Ductus arteriosus stellt im vorgeburtlichen Blutkreislauf des Kindes eine Verbindung zwischen der Hauptschlagader (Aorta) und der Lungenarterie her. Da die Lunge vor der Geburt noch nicht belüftet ist und somit auch noch kaum durchblutet wird, fließt das Blut über den Ductus arteriosus aus der Lungenschlagader direkt in die Aorta.
Im Normallfall ziehen sich bei einer regelrechten Geburt durch eine Erhöhung des Sauerstoffpartialdruckes die Muskelzellen im Bereich des Ductus arteriosus zusammen, wodurch sich das Gefäß verschließt und die Lungen nun durchblutet werden können. Kommt es bei einem Frühgeborenen zu Sauerstoffmangel (Hypoxie) und einer daraus resultierenden Übersäuerung (respiratorischen Azidose), so ist der Reiz zur Muskelkontraktion nicht gegeben. Dadurch persistiert der Links-Rechts-Shunt und es kommt weiters zu einem erhöhten Druck in der Lunge (pulmonalen Hypertonie).
- Netzhautschäden- Die so genannte Retinopathia praematurorum ist eine Erkrankung der Netzhaut bei Frühgeborenen, bei der es durch eine Neubildung von Blutgefäßen zu Blutungen im Auge kommen kann.
Aufgrund verschiedener medizinischer Fortschritte steigt die Zahl der Kinder, die auch eine erheblich zu frühe Geburt überleben. Doch je unreifer ein Kind geboren wird, desto höher ist sein Risiko, eine bleibende Körperbehinderung oder geistige Beeinträchtigungen zu bekommen.
Auch das Risiko, eine Aufmerksamkeitsdefizit- oder Hyperaktivitätsstörung zu bekommen, ist durch eine Frühgeburt, unabhängig von einer erblichen Veranlagung, erhöht. Studien weisen darauf hin, dass langfristig gesehen Kinder, die bei ihrer Geburt weniger als 1.000 Gramm wogen, häufiger gesundheitliche Beeinträchtigungen entwickeln als andere Kinder.
Auch Lernbehinderungen, wie beispielsweise eine Lese-Rechtschreib-Schwäche oder Rechenschwäche, kommen bei extremen Frühgeburten sehr viel häufiger vor als unter Reifgeborenen. Von den ehemaligen Frühchen mit einem oder weniger als einem Kilo Geburtsgewicht ist laut US-Statistik jedes Zweite im Alter von acht Jahren lernbehindert.
Auch psychische Störungen, wie zum Beispiel Depressionen und Angststörungen, sowie Verhaltensauffälligkeiten kommen unter extremen Frühgeburten häufiger vor.
Letzte Aktualisierung am 10.08.2009.