Falls in der Schwangerschaft Schmerzen oder Krämpfe im Unterbauch auftreten und die Urinmenge trotz normalen Trinkens zurückgeht, sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden. Meist gibt dieser zunächst entkrampfende Medikamente (z.B. Buscopan®), die die Schmerzen lindern und zu einer Entspannung der glatten Muskulatur im Bereich der Harnleiter führen. Wirken diese nicht, kann bei weiter bestehenden Krämpfen auch eine Schiene über die Blase in die Harnleiter gelegt werden, die sie auch gegen den Druck offen hält. Ist eine Schienung nicht möglich und nimmt der Harnstau sehr rasch zu, muss in seltenen Fällen operativ vorgegangen werden. Bei diesem Eingriff ist der Zugang über die Leiste vom Flankenschnitt üblich. Die betreffende Niere wird freigelegt und der Harnabfluss wieder ermöglicht. Ein wichtiger Nachteil dieser Methode ist die Invasivität des Eingriffes.
Der Eingriff muss in Narkose durchgeführt werden und hat dementsprechend auch Auswirkungen auf Mutter und Kind. Bleibt der Harnstau über mehrere Tage bestehen, besteht die Gefahr, dass Bakterien über die Blase und die Harnleiter in die Niere aufsteigen und dort zu einer Nierenbeckenentzündung führen. Die Patientin bemerkt dies oft durch Schmerzen in der Flanke sowie Koliken oder Fieber. In solchen Fällen muss eine schnelle Entlastung des oberen Harntraktes erfolgen, da es sonst innerhalb kurzer Zeit (wenige Stunden bis einige Tage) zu einer Nierenbeckenentzündung mit Übergang in eine Urosepsis (Blutvergiftung) führen kann. In diesem Fall sind besonders viel Flüssigkeit und eine Behandlung mit Antibiotika notwendig. Dies kann unter Umständen auch über die Gabe von Infusionen erfolgen.
Bei der Mehrheit aller Schwangeren kann eine Erweiterung des Nierenbeckenkelchsystems im Verlauf der Schwangerschaft beobachtet werden, sie wird jedoch nur bei wenigen klinisch manifest. Die Harnstauung in Schwangerschaft ist nach spätestens 6 Monaten voll reversibel, wenn die Schwangerschaft dabei die alleinige Ursache der Obstruktion ist und keine weitere Ursache vorliegt. Meist bessern sich die Beschwerden des akuten Harnstaus sofort, wenn der Harn wieder abfließen kann und die Obstruktion behoben ist.