Frauen sind in der Schwangerschaft meist anfälliger für Infekte im Bereich der ableitenden Harnwege. Dies liegt zum einen an der sehr entspannten glatten Muskulatur, sowie an dem vermehrten Einfluss des Hormons Progesteron. Der erhöhte Progesteronspiegel führt zu einer verminderten Peristaltik von Darm und Harnleiter. Dadurch wird der Urin nicht mehr so schnell weiter befördert. Zudem verändert sich in der Schwangerschaft die Schleimhautflora innerhalb der Scheide, wodurch Erreger leichter Eindringen und die Harnröhre besiedeln können. Durch die in der Schwangerschaft vergrößerte Gebärmutter kommt es außerdem zu einem stärkeren Druck auf die ableitenden Harnwege. Daneben verschiebt sich während der Schwangerschaft der pH-Wert und es kommt zu einem Anstieg von Aminosäuren, Kreatinin, Glukose und Laktose. Diese Faktoren begünstigen die rasche Vermehrung von Bakterien im Bereich der Harnwege. Bei Frauen, bei denen eine symptomlose Ausscheidung von Erregern mit dem Harn (Bakteriurie) vorliegt, kommt es in der zweiten Schwangerschaftshälfte zu einer Vermehrung der Bakterien.
Die meisten Infekte im Bereich der ableitenden Harnwege werden durch Bakterien aus dem Dickdarm (Anaerobier), wie beispielsweise Escherichia Coli, hervorgerufen. Seltener sind jedoch auch Viren oder Pilze für die Entstehung einer Blasenentzündung verantwortlich. Wird eine Harnwegsinfektion nicht rechtzeitig behandelt, können die Erreger weiter aufsteigen und eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) verursachen. Die Schwangerschaftspyelonephritis (Pyelonephritis gravidarum) ist eine häufige Komplikation von zunächst einfachen Harnwegsinfekten. Sie entsteht durch ein Aufsteigen der Bakterien aus der Blase bis nach oben ins Nierenbecken. In der Schwangerschaft wird die Entstehung einer Nierenbeckenentzündung durch die hormonell bedingte Erweiterung der Harnleiter, die die Verbindung von der Blase zur Niere darstellen, begünstigt.