Wenn die Patientin Beschwerden wahrnimmt, die zu einem vorzeitigen Blasensprung passen könnten, muss sofort ein Arzt konsulitiert werden. Die Patientin sollte möglichst nicht mehr herumlaufen, sondern sich hinlegen. Das ärztliche Vorgehen hat zum Ziel, das Ungeborene vor der 35. SSW so lange wie möglich in der Gebärmutter zu belassen. Die Maßnahmen richten sich ganz wesentlich nach dem Schwangerschaftsalter.
Vor der 24. Schwangerschaftswoche ist die Prognose für das ungeborene Kind schlecht. Liegt kein Infekt vor und kommt es nicht zu vorzeitigen Wehen, wartet man ab. Mutter und Kind werden engmaschig überwacht. Wenn möglich sollte die Schwangere in eine Klinik mit einer spezialisierten Abteilung für Frühgeburten (Neonatologie) verlegt werden und strenge Bettruhe einhalten. Alle 24 Stunden sollten Blutkontrollen stattfinden, um sicher zu gehen, dass sich kein Amnioninfektionssyndrom bildet.
In manchen Fällen kann es zudem sinnvoll sein, eine vorbeugende Antibiotikatherapie zu beginnen, um einem Amnioninfektionssyndrom vorzubeugen. Kommt es dennoch zu schwerwiegenden Komplikationen in der Kindesentwicklung, muss die Schwangerschaft unter Umständen abgebrochen werden, da das ungeborene Kind vor dem Ende der 24. Schwangerschaftswoche in der Regel noch nicht lebensfähig ist.
Zwischen der 26. und 32. Schwangerschaftswoche sind Nabelschnurvorfall und
die plötzliche Geburt die Hauptrisiken für das Kind.
Deshalb sollte auch hier zunächst abgewartet werden. Mutter und Kind stehen dabei in der Klinik unter ständiger Überwachung. Es wird versucht, eine Infektion zu vermeiden. Bei vorzeitigen Wehen kann eine Behandlung mit Wehenhemmern (Tokolytika) erforderlich sein. Die Schwangere erhält zudem meist Glukokortikoide (Kortison), die die Reifung der Lungen beim ungeborenen Kind fördern sollen. Die Behandlung von Mutter und Kind sollte ebenfalls in einer Klinik mit einer spezialisierten Abteilung für Frühgeburten stattfinden.
Zwischen der 33. und 35. Schwangerschaftswoche versucht man, die Geburt solange zu verzögern, bis die Lungenreife des Kindes abgeschlossen ist. Wenn nötig, werden der Mutter Wehenhemmer verordnet.
Tritt ein Blasensprung nach der 35. Schwangerschaftswoche auf, bekommt die Mutter zur Vorbeugung vor Infektionen Antibiotika. Setzen 12-24 Stunden nach dem erfolgten Blasensprung die Wehen nicht von selbst ein, leitet man die Geburt mit dem Hormon Prostaglandin ein. Falls keine schnelle natürliche Geburt möglich ist oder wenn der Verdacht auf ein Amnioninfektionssyndom besteht, wird das Kind mittels Kaiserschnitt entbunden.
Prognose
Die Prognose eines vorzeitigen Blasensprungs hängt sehr stark davon ab, wie weit die Schwangerschaft schon fortgeschritten ist. Je später die Fruchtblase platz, desto besser sind in der Regel die Überlebenschancen für das Kind. In 65 Prozent aller Fälle eines vorzeitigen Blasensprunges muss eine Frühgeburt eingeleitet werden.
Zudem besteht ein erhöhtes Risiko für eine Fehllage des Kindes, das heißt, das Kind liegt nicht in der optimalen Position für eine vaginale Geburt. Weitere Komplikationen, die beim Kind auftreten können sind eine unzureichende Lungenreife und eine ungenügende Sauerstoffversorgung über die Nabelvene.
Letzte Aktualisierung am 10.08.2009.